Berufliche Selbstverwirklichung

Das Kinderdorf hatte Vanessa Kiewell-Ziedorn gar nicht auf dem Schirm als einen potenziellen Arbeitgeber. Die 31-jährige ist gelernte Heilerziehungspflegerin arbeitete in der Altenhilfe. Dort leitete sie die Betreuung in einem Wohnbereich, organisierte Arztbesuche, half bei den Mahlzeiten und sorgte für Beschäftigung. Die Zusammenarbeit mit Menschen – so nah an ihnen dran zu sein – war ihr von Anfang an wichtig.

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes veränderte sie ihren Wirkungsbereich und startete zunächst auf Minijob-Basis in der Behindertenhilfe neu durch. Als ihre Stelle jedoch ersatzlos wegfiel, stand Vanessa Kiewell-Ziedorn vor einer erneuten Jobherausforderung: Wie sollte es für sie weitergehen?

Genau zum richtigen Zeitpunkt stolperte sie regelrecht über eine Stellenanzeige des Albert-Schweitzer-Familienwerks. Für das Kinderdorf Uslar wurde in einer Außenstelle eine Erzieherin als Unterstützung in einer Kinderdorffamilie gesucht. „Damals kannte ich das Albert-Schweitzer-Familienwerk gar nicht und wusste auch nichts über das Kinderdorf“ erinnert sich die Fachkraft. Das musste sich ändern! Neugierig geworden durch die Stellenanzeige, machte sie sich kurzerhand kundig und ein Gedanke wich ihr nicht mehr von der Seite: Für diese Kinder muss doch jemand da sein!

Rückblickend ist Vanessa Kiewell-Ziedorn überzeugt, dass ihr Mutterherz ein großer Motor für ihre nächste berufliche Entscheidung war. Denn schnell bewarb sie sich beim Albert-Schweitzer-Kinderdorf auf die ausgeschriebene Stelle.

Ein doppelter Glücksfall

Es hat eine Weile gedauert, bis die Entscheidung zugunsten der 31-jährigen gefallen war. „Ich dachte schon, da hätte ich nie eine Chance zu arbeiten, denn ehrlich gesagt hat sich das Bewerbungsgespräch für mich nicht so angefühlt, als ob ich meine Gegenüber von meinem Können und meiner Einsatzbereitschaft habe überzeugen können.“

Manchmal aber trifft der altbekannte Spruch „Was lange währt, wird endlich gut“ eben doch zu. Denn diese eine Entscheidung zu ihren Gunsten führte schließlich nicht nur zu einer Festanstellung, sondern letztendlich gar zur Gründung einer weiteren Erziehungsstelle.

Doch zunächst folgte für die gelernte Heilerziehungspflegerin der Sprung ins kalte Wasser: Personalmangel war der Grund für die Suche nach neuen Fachkräften, also unterstützte Vanessa Kiewell-Ziedorn die Kinderdorffamilie gleich mit einer Vollzeittätigkeit. Fortan war sie - oftmals auch alleinverantwortlich – als unterstützende Betreuung in einer Kinderdorffamilie im Einsatz. Im Laufe der Zeit übernahm die 31-jährige zudem Springertätigkeiten im gesamten Kinderdorfbereich, welche sie als besonders bereichernd empfand. Die Heilerziehungspflegerin berichtet, dass ihr die Tätigkeiten an diesen vielen, unterschiedlichen Orten auch viele Sicht- und Arbeitsweisen von Kolleg*innen gezeigt haben. Sie hat so viel Input zum Umgang mit der Jobsituation und auch der Betreuungsweise erhalten. Selbst Negativerfahrungen, die sie in dieser Zeit erlebte, halfen der 31-jährigen, ihren eigenen Weg zu finden. Auch, wenn der Springerjob anstrengend war: Unterstützt fühlte sie sich dabei jederzeit durch ihre vielen Kolleg*innen.

Der große Wandel

Und plötzlich war sie da, die Frage, ob Vanessa Kiewell-Ziedorn sich nicht vorstellen könne, selbst Jugendhilfekinder aufzunehmen. „Zu diesem Zeitpunkt war es eine „Jetzt oder erst wieder in vier Jahren“-Entscheidung, denn für eines meiner leiblichen Kinder stand gerade ein Schulwechsel an“ berichtet die heutige Erziehungsstellenleiterin und macht auch deutlich: „Als die Anfrage kam, haben mein Mann und ich uns aufgrund der vielen verschiedenen Schichten kaum noch gesehen, auch unsere Kinder brauchten wieder ein reguliertes Familienleben. Da wurde mir klar, dass die Erweiterung der eigenen Familie durch eine Erziehungsstelle auch eine Lösung sein kann.“

Zuhause wurde nach dieser Erkenntnis viel gesprochen, diskutiert und sinniert. Nicht alle Verantwortungen, die solch ein Schritt mit sich brachte, trafen bei Vanessa Kiewell-Ziedorns Mann Kai Kiewell auf Begeisterung. Er wog diese Entscheidung besonders genau ab, denn schließlich würde auch er als ehrenamtlicher Helfer diese Erziehungsstelle weitreichend unterstützen. Die beiden eigenen Kinder hingegen waren von der Idee schnell begeistert. Als die Entscheidung für eine Erziehungsstelle stand, wurde die gesamte Familie langsam an die neue Situation herangeführt. Es fanden erste gemeinschaftliche Treffen mit den Jugendhilfekindern statt und Kai Kiewell suchte den intensiven Austausch mit einem anderen ehrenamtlichen Kinderdorfvater. Er hospitierte sogar in einer Kinderdorffamilie.

Inzwischen hat die neue Erziehungsstelle einige eigene Erfahrungen machen können und Vanessa Kiewell-Ziedorn ist sich sicher: „Das war die absolut richtige Entscheidung“. Zu einem späteren Zeitpunkt kann sie sich sogar die Erweiterung auf eine Kinderdorffamilie vorstellen, in welcher anstatt zwei Jugendhilfekindern dann bis zu sechs Jugendhilfekinder leben und die daher auch noch tatkräftig durch eine Erzieherin und einige Arbeitsstunden einer Hauswirtschaftskraft unterstütz wird. Momentan aber gehört zu ihrer kleinen Einheit ein Jugendhilfekind, das eine sehr intensive Betreuung benötigt. Darauf will sie sich erst einmal konzentrieren.

Was motiviert Vanessa Kiewell-Ziedorn tagtäglich?

Neben der erfüllenden Arbeit zusammen mit Menschen, blüht sie in der Möglichkeit auf, Kindern und Jugendlichen einen verlässlichen und wertschätzenden Weg ins eigenständige Leben bereiten zu können. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, fühlt sie sich beim Albert-Schweitzer-Kinderdorf bestens aufgehoben. „Wenn es darum geht, dem eigenen Personal den Rücken zu stärken, ist das Albert-Schweitzer-Kinderdorf richtig gut aufgestellt“ findet die Erziehungsstellenleiterin. Besonders betont sie dabei die regelmäßigen Supervisionen im Team und auch einzeln, sowie die Team-Meetings, den gemeinsamen Austausch untereinander und auch das gut aufgestellte Fortbildungsangebot ihres Arbeitgebers. Jeder soll an seine individuellen Wünsche und Möglichkeiten angepasste Fort- und Weiterbildungsangebote wahrnehmen können. Denn die eigenen Entwicklungsmöglichkeiten im Sinne des Berufes gehören zum Arbeitgeberkonzept des Kinderdorfs und dem übergeordneten gemeinnützigen Verein – dem Albert-Schweitzer-Familienwerk.

Offene Türen für Fachkräfte!

Engagierte und motivierte Fachkräfte werden im Kinderdorf Uslar immer gesucht. Erzieher, Heilerziehungspfleger und Sozialpädagogen finden im Kinderdorf eine Anstellung als tatkräftige Unterstützung in den Familien, oder können selbst zur Erziehungsstellenleitung oder Kinderdorffamilienleitung werden. Telefonisch unter: 05571 – 9237 11 gibt es mehr Informationen zum Jobangebot.