Familienentlastender Dienst: Heike und Peter Filipp helfen leidenschaftlich

[Celle] - Ehrenamtliche Mitarbeitende vom Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. begleiten und unterstützen körperlich, geistig, seelisch oder mehrfachbeeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Alltag und bei der Freizeitgestaltung. Die Familienangehörigen erhalten so Freiräume für ihre eigene Lebensgestaltung: für Spaziergänge, Geschwisterkinder, einen Einkaufsbummel oder auch beim Arztbesuch u.a.m.

Heike und Peter Filipp sind leidenschaftliche „FEDler“. Wir haben sie zu ihrer Motivation befragt. Peter Filipp stammt vom Tegernsee. Seit 26 Jahren lebt der 58jährige in Celle und ist genauso lange verheiratet. Bis zum Jahr 2016 war er selbstständiger Unternehmer in den Bereichen Dienstleistungen, Taxi und Logistik. Heike Filipp kommt gebürtig aus Celle und ist 59 Jahre jung. Beide sind seit 2016 Privatiers. Aus gesundheitlichen Gründen musste sich Heike Filipp aus dem Berufsleben zurückziehen. „Allerdings sich nur mit dem Sofa zu beschäftigen, ging auch nicht“, lacht Heike Filipp. Eine Freundin hat Vorschläge gemacht, wie sie die Zeit sinnvoll gestalten kann. Von ihr kam auch der Tipp zum Albert-Schweitzer-Familienwerk in Celle. Peter Filipp war erst sehr skeptisch, doch nachdem er die beiden Mitarbeiterinnen Manuela Reimchen und Daniela Burford kennengelernt hatte, waren auf einen Schlag alle Zweifel weg. Und sofort meldeten sich die beiden für die notwendigen Kurse an. Insgesamt waren es 30 Stunden mit spannenden, auch für das eigene Leben wertvollen, Informationen. Vier Kurse sind für alle FEDler verpflichtend.

  1. Grobe Richtlinien über das Ehrenamt mit wertvollen Informationen zu Nähe und Distanz.
  2. Mobilität, wie können Ehrenamtliche Unterstützen? Grundlagen zum Umgang mit Hilfsmitteln.
  3. Spezialthema Demenz und/oder Menschen mit Behinderung.
  4. Ein Erste-Hilfe-Kurs

Das Ehrenamt gibt mir mehr als ich bekomme

Peter Filipp: „Mit Menschen umzugehen, hat mir schon immer großen Spaß gemacht.“ Er hat privat wie beruflich gelernt, sehr viel auf ihn zukommen zu lassen. Seine beiden ans Herz gewachsenen Klienten, ein autistischer Junge und ein dementer alter Herr, helfen auch ihm körperlich wie geistig beweglich zu bleiben. „Das Ehrenamt gibt mir mehr als ich bekomme. Wir freuen uns sehr auf die Aufgabe, Menschen eine Freude zu machen“, sagt er voller Stolz. Es gibt sogar eine Aufwandsentschädigung, die spielt aber für Heike und Peter eine untergeordnete Rolle. Der Freundeskreis und auch die Nachbarn finden das Engagement der beiden klasse. Freunde geben sogar ab und zu ein kleines Geschenk mit für die Kinder und die Senioren.

Die Menschen sind so dankbar

Heike Filipp: „Es ist für mich ein großes aufbauendes Gefühl, Menschen eine Freude zu machen.“ Sie begleitet eine 86 Jahre alte Dame. „Bei der Dame ist ein Fensterbogen zu Bruch gegangen. Was für uns schnell zur Nebensächlichkeit wird, bedeutete für die alte Dame ein großes Unglück.“ Heike Filipp hat einer Nachbarin davon erzählt, die noch am gleichen Tag im Internet fündig geworden ist. Und sofort nach dem sonntäglichen Kaffee wurde das gute Stück abgeholt und an die alte Dame weitergereicht. „Es ist so ein tolles Gefühl, dieses große, zufriedene, dankbare Lächeln der alten Dame erleben zu dürfen“, sagt sie lächelnd: „Und es ist so einfach, so vielen Menschen eine Freude zu machen.“ Sie freut sich so über die schönen Momente, die sehr viel Freude machen. Sogar ihren Hund nimmt sie manchmal mit. So wurde er von einem Haustier zum Therapiehund.

Helfen ist eine gesellschaftliche Aufgabe

Peter Filipp: „Wir beide sind kinderlos. Aber dennoch denken wir auch manchmal an unsere Zukunft. Ich gehe davon aus, dass auch wir von anderen Menschen Unterstützung bekommen werden, wenn wir mal Hilfe brauchen.“ Allgemein sieht er seine Tätigkeit als gesellschaftliche Aufgabe: „Wir helfen gerne, denn vielleicht brauchen auch wir mal Hilfe auf dem Weg zum Arzt, zum Friedhof oder zum Einkauf.“

Strahlend erzählt Peter Filipp von seinem schönsten Erlebnis: „Es sind tatsächlich die kleinen Dinge, die die Aufgabe beim Familienentlastenden Dienst bereichern. Ich habe eine alte Dame im Krankenhaus besucht und sie war so bewegt, dass Tränen geflossen sind. Diese Dankbarkeit, die man spürt und erlebt, ist unbeschreiblich.“ Er begleitet einen autistischen Jungen. „Er nimmt mich als völlig ahnungslosen Nichtangler mit zum See und fängt dort einen Dorsch. Und jetzt bin ich für immer und ewig sein Glücksbringer. Ich kann mir jetzt einfach nicht mehr vorstellen, irgendwann mal wieder damit aufzuhören, anderen Menschen Freude zu machen.“

Jeder, der sein Selbstwertgefühl steigern oder wiederentdecken möchte, sollte sich eine ehrenamtliche Aufgabe suchen. Die eigene Lebensqualität wird gesteigert und beide sind selbst deutlich motivierter als vorher. Das Leben von Familie Filipp ist gehaltvoller geworden. Die Menschen freuen sich, das motiviert beide sehr und dauerhaft haben beide ein unbeschreibliches Glücksgefühl.

Heike Filipp: „Trotz meiner Krankheit ziehe ich ganz viel Motivation und Kraft aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Das ist für mich die beste Medizin. Geistig und körperlich werde ich gefordert und das macht mich stark. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Für uns bedeutet das fünf bis sechs Stunden in der Woche.“

Profis stehen hilfreich zur Seite

Und wenn Heike und Peter Filipp mal nicht mehr weiterkomme, habe sie mit Daniela Burford und Manuela Reimchen die perfekten Ansprechpartnerinnen. Außerhalb von Corona pflegen die Ehrenamtlichen einen intensiven Austausch mit in den Gruppen.

Peter Filipp: „Mein Tipp an alle Menschen, die gerne mit Menschen arbeiten, etwas Neues kennenlernen wollen, Humor mitbringen, aufmuntern können, eine große Portion Empathie haben und die Zeit, etwas Sinnvolles zu machen, für die ist der Familienentlastende Dienst in Celle genau die richtige Adresse.“ Nichts zu tun, insbesondere im Rentenalter, tut nicht gut. Das ebenso engagierte wie sympathische Ehepaar empfiehlt jedem, eine Aufgabe zu übernehmen. Und bestenfalls im Albert-Schweitzer-Familienwerk. „Wir beide haben die Zeit übrig und verschenken gerne die Zeit und schenken damit Freude“, sagen Heike und Peter Filipp.


Hintergrund: Der FED des Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V.

Ca. 250 Klientinnen und Klienten stehen die rund 180 ehrenamtlichen Mitstreiter zur Seite.

Für wen?

Dieses Angebot richtet sich an körperlich, geistig, seelisch oder mehrfachbeeinträchtigte Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie deren Familien.

Was?

Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden begleiten und unterstützen die betroffenen Personen im Alltag und bei der Freizeitgestaltung.

Die Familienangehörigen erhalten so Freiräume für ihre eigene Lebensgestaltung: für Spaziergänge, Geschwisterkinder, einen Einkaufsbummel, den Arztbesuch u.a.m.

Manuela Reimchen weist darauf hin, dass es sich nicht um eine pflegerische Tätigkeit handelt, sondern um eine Begleitung und eine Entlastung im Alltag. Durch die ehrenamtlichen Helfer des Familienentlastenden Dienstes werden Familien mit Angehörigen mit einem Pflegegrad deutlich entlastet. Kontakt: Daniela Burford und Manuela Reimchen, Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. Bahnhofstraße 11, 29221 Celle. Tel.: 0 51 41 / 27 91 07 7.