Trauma-Märchen

Gewalt an Kindern führt nicht selten zur Traumatisierung von Kindern.

Bei der Frage, wie kann Kindern wie Paula geholfen werden, haben sich Trauma Experten wie u.a. Alexander Korittko viele Gedanken gemacht – und sind auf die Idee des Trauma Märchens gekommen. Diese Idee hat vor einigen Jahren Einzug in die Arbeit der Fachberatung Pflegefamilien genommen. Die Arbeit mit dem Trauma Märchen hat zum Ziel, den besonderen Ereignissen und Erlebnissen eines Kindes eine erzählerische Form und damit einen Sinn zu geben – und genau das passiert in einem Märchen. Das Kind soll die Ereignisse in die persönliche Lebensgeschichte integrieren können. Klingt kompliziert – hier hilft die Praxis zum Verständnis. Und deswegen gestatten wir Ihnen einen kleinen Einblick in die Geschichte von Paula, dem kleinen Mädchen auf dem Foto.

Fuxy war ein kräftiger und fideler kleiner Welpe … Er hatte leuchtend rotes Fell und viel Spaß am Spielen und Bauen. Er war ein schlauer Welpe und geschickt war er auch – ein richtiger kleiner Überlebenskünstler. Füchse sorgen sich eigentlich rührend um ihre Kinder… Die Fuchseltern freuten sich riesig auf die Geburt von Fuxy …

Das Märchen benennt ‚das Schlimme‘:

… aber Fuxy Eltern waren jung und unerfahren… Mama wusste gar nicht wirklich, wie das geht…Sie konnte sich gar nicht daran erinnern, ob ihr das mal jemand gezeigt hatte… Er hatte Hunger und brauchte doch Wärme…  je mehr die Fuchs-Eltern merkten, dass sie ihrem kleinen Fuxy nicht helfen konnten, desto mehr fingen sie an sich zu zanken und Fuxy bekam noch mehr Angst. Die Mama begann sogar, Fuxy auszuschimpfen, wenn sie nicht weiterwusste – obwohl der kleine Welpe doch gar nichts dafürkonnte, dass er hungrig war und Wärme brauchte…

Starkes Verhalten wird betont:

Der kleine Fuxy war ganz oft am Weinen und Schreien…Das laute Schreien war etwas sehr, sehr Schlaues, was der Fuxy da gemacht hat! …es machte andere Füchse neugierig…

Erzählt wird weiter, wie die neugierigen Füchse Ideen sammeln, um zu helfen und wie Fuxy in einem anderen Fuchsbau aufgenommen wird:

Der älteste und schlaueste der Gruppe traf eine Entscheidung: „Fuxy braucht ein neues Zuhause! Seine Eltern sind lieb und nett, aber sie schaffen es nicht, den Kleinen zu versorgen. Ich kenne eine ganz liebe Fuchs-Familie… Fuxy war am Anfang auch ganz schön verwirrt, als er plötzlich in einem fremden Bau aufwachte. Die Erde roch ganz anders – und auch die neue Mama. Sie war lieb und sie wärmte ihn und Hunger hatte er auch nicht mehr – aber trotzdem war ihm nicht immer wohl… Er wusste auch nicht so richtig, ob die neue Familie ihn überhaupt richtig mögen würde

Schuldgefühle werden angesprochen – denn:  Kindern, denen es so schlecht ging/geht, die haben manchmal richtig gruselige Gedanken. Sie denken nicht selten: `Ich bin schuld`.   oder ‘Was ich erlebe, ist normal’. oder ‘Ich muss meinen Eltern helfen’…

So etwas kann leider den tollsten, und stärksten Fuchs-Welpen passieren – dass sie nicht bei ihren Eltern leben können…

In Paulas Fall haben sich Menschen gekümmert. Paula ist in eine Pflegefamilie gekommen; starke Pflegeeltern, geduldige Pflegeeltern; Pflegeeltern, die verstehen. Aus anfänglichem Misstrauen des Kindes entstehen immer mehr schöne Gefühle und Erlebnisse…

Er (Fuxy) könne mit den anderen Welpen nach Herzenslust spielen und tollen und ruhig auch mal ärgerlich sein. Sogar schimpfen und wütend sein dürfe er in der Familie – weil die Eltern stark genug sind, das auszuhalten. Die Fuchs-Eltern würden ihm schon helfen und hätten viel Geduld mit kleinen Welpen…

Und wieder werden Stärken betont:

Das Beste an der Geschichte ist etwas, was der kleine Fuxy noch gar nicht so richtig wusste: Dass er ein wirklich starker Welpe ist. Ein so kräftiger, quirliger Kerl, der so viel Ungewöhnliches und auch Trauriges erlebt hat und es trotzdem immer wieder schafft, mit guter Laune durch die Gegend zu toben….

Das können nicht viele Fuchs-Welpen!

Oft fragt Paula ihre Pflegeeltern nach dem ‚Trauma Märchen‘, lässt sich immer wieder die Geschichte vom kleinen Fuxy vorlesen und hält dabei ihr Kuscheltier im Arm. Beim letzten Besuch von Paulas Mutter traute das 5-jährige Mädchen sich zum ersten Mal seine Mutter zu fragen: ‚Haben wir eigentlich früher einmal zusammengewohnt? Wieso ist das jetzt nicht mehr so?‘

Und die Mutter sagte:‘ Ja, das haben wir! Und den Rest erzähle ich dir, wenn du 10 Jahre alt bist!“

Paula hat immer noch Angst, Gedanken an früher kommen immer mal wieder hoch – aber die Angst wird kleiner…

Das Schlimme ist vorbei!!! Jetzt ist das Kind sicher!

Bernd Kasper – Fachberatung Pflegefamilien

Kerstin Scholz Verwaltung
Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V.
Kinderdorf Uslar
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