Besuch russischer SozialexpertInnen in Lüneburg

Das Kinderdorf Alt Garge bekam kürzlich Fachkollegenbesuch aus Russland. Fünf Experten und Expertinnen aus der westsibirischen Region Tjumen wurden in zwei verschiedenen Fachbereichen der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Lüneburg begrüßt. Im Namen der Landesregierung und auf Einladung des Zentrums für Ost-West-Kooperation war der Besuch des Familienwerks ein Teil des einwöchigen Weiterbildungsprogramms für die russischen Kollegen und Kolleginnen.

Der Leiter des internationalen Weiterbildungsprogramms Christoph Kusche begleitete die fünf Direktoren und Direktorinnen des Departementes für soziale Entwicklung aus der Region Tjumen.

Die russischen Gäste interessierten sich besonders für die soziale Arbeit mit straffällig gewordenen jungen Menschen und Hilfen für Kinder- und Jugendliche in stationären Betreuungsformen. Dafür erhielten Sie am Vormittag des Weiterbildungstages einen Einblick in die Arbeit des Betreuungsprojektes und des Projektes Handschlag in Lüneburg, welches sich schon seit 1986 eine besondere Expertise im Umgang mit dem Phänomen der Jugendkriminalität erworben hat. Am Nachmittag hospitierten die Gäste in der Wohngruppe Wilschenbruch und konnten einen greifbaren Eindruck von moderner stationärer Heimerziehung beim Albert-Schweitzer-Familienwerk e.V. gewinnen.

Besonders beeindruckt waren die Besucher von der hohen Professionalität in beiden Einrichtungsteilen. Der Täter-Opfer-Ausgleich, Formen der sozialen Gruppenarbeit und insbesondere das Anti-Gewalt-Training sind keine üblichen Umgangsweisen mit straffällig gewordenen Jugendlichen in Russland. Dort gibt es keine Trennung zwischen Jugend- und Erwachsenenstrafrecht.

In der stationären Erziehungshilfe wurde darüber diskutiert, warum und wie Kinder in diese Hilfeformen gelangen. Was war vorher alles schon passiert? Ganz intensiv wurde über die Pädagogik und die Zielsetzung in moderner Heimerziehung diskutiert.

Das Fazit dieses Austausches lässt sich mit Christoph Kusches Worten resümieren: „Diese Fachgespräche zeigen Wirkung und inspirieren die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu kreativen Überlegungen, wie wegweisende Konzepte der sozialen Arbeit auch in der Region Tjumen Einzug finden können.“