Spannende Erlebnisse beim Besuch des Schulbauernhofs

Bild links: Aufgeteilt in verschiedene Gruppen lernten die Kinderdorfkinder, was es heißt, einen Bauernhof zu versorgen.

[Uslar] - „Es war Erlebnis pur“ resümiert Kinderdorfmutter Elice Freer über den mehrtägigen Besuch auf dem Schulbauernhof in Hevensen kürzlich. Für insgesamt 29 Kinder aus Kinderdorffamilien und Erziehungsstellen des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes hieß es Sachen packen, um die Welt zu erkunden. Genauer gesagt: Um die Bauernhofwelt zu erkunden. Denn so ein Bauernhof ist schon ein kleiner Kosmos für sich. Noch ahnten die vier bis vierzehnjährigen nichts von all dem, was ihnen in kommender Zeit die Tage füllen würde.  

 

Ein kleines Abenteuer

Jasmina Ngamchaa und Elice Freer – beide Kinderdorfmütter des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes in Uslar – blieben als ständige pädagogische Begleitung vor Ort, weitere Fachkräfte und eine Praktikantin kamen stundenweise zur Unterstützung dazu. „Schon der erste Tag war ein großes Abenteuer“ erinnert sich Jasmina Ngamchaa. „Wir kamen im Jugendgästehaus in Hardegsen an, teilten die Zimmer zu, packten erste Sachen aus und plötzlich hieß es schon >>Aufbruch<<.“ Mit einem Planwagen ging es zum etwa vier Kilometer entfernten Schulbauernhof.

Wie melkt man eine Kuh? Was passiert mit den frisch gelegten Hühnereiern? Sind Schweine eigentlich dreckig? Fragen, die die neuen >>Bauernhofexperten<< inzwischen aus eigener Erfahrung beantworten können.

Auf der Fahrt zum und vom Bauernhof wurde vom ersten Mal an fröhlich gesungen – ein alter Kinderklassiker, bei dem jedes Kind die Chance hatte, namentlich im Gesang erwähnt zu werden. Da war das frühe Aufstehen schnell vergessen. Doch Elice Freer erinnert sich: „Ich habe schon noch den einen oder anderen erstaunten Kommentar wegen dem frühen Aufstehen im Ohr“.

 

Ordnung muss sein

Auf einem Bauernhof fallen nicht nur viele Aufgaben rund um die Tiere an, jeder Handgriff will auch durchdacht sein. Es gibt extra Arbeitsklamotten für den Stall und extra Kleidung für den Essensaal, mehrmals am Tag ist daher flinkes Umziehen angesagt.

In vier Gruppen eingeteilt schritten die fleißigen Helfer zur Tat: Sie fütterten die Hühner und sortierten ihre Eier, sie melkten Kühe und misteten den Schweinestall aus. In der Küchengruppe wurden Mittagessen, die Kaffeetafel und das Abendbrot vorbereitet. Elias (*) hatte sogar während des Bauernhofbesuchs Geburtstag. Voller Stolz kreierten die „Küchen-Kinder“ ihm einen Kuchen, der in der Kaffeepause unter tosenden Gratulationsrufen verzehrt wurde. Doch egal, was immer die Helfer zauberten, immer wurden die eigenen frischen Erzeugnisse verarbeitet. So gab es wirklich frische Hühnereier zum Frühstück und selbst hergestellte Sahne zu Kuchen und Kakao.

Neben den festen Stallzeiten nutzten die Kinder gerne die Freizeitangebote rund um die Bienen oder Wolle und Filzen. Die Jungen kletterten während der freien Zeit am Nachmittag mit Vorliebe in den Bäumen des nahegelegenen Spielplatzes und tobten sich auf dem Bolzplatz aus. Dass die Arbeit auf dem Bauernhof auch ordentlich hungrig macht, sah das Küchenteam an ratzeputz leergegessenen Tellern und Töpfen. Immer nach dem Abendessen ging es zurück ins Gästehaus, wo alle erschöpft aber glücklich in ihre Betten fielen.

Kinderdorfmutter Elice Freer freut sich, dass das Zusammenleben und –arbeiten der untereinander teils fremden Kinder im altersmäßig bunt gemischten Team so gut funktioniert hat. „Einzelne Kinder sind so sehr in ihrer Rolle aufgegangen, dass sie komplett über sich hinausgewachsen sind und ihre großen und kleinen Probleme vergessen haben - eine positive Erfahrung für alle.“

Als schönstes Erlebnis behält die Gruppe den vorletzten Tag in Erinnerung, als die trächtige Sau endlich ihre 13 Ferkel bekommen hat.

Der siebenjährige Fynn (*) bringt seine Begeisterung auf den Punkt: „Am liebsten würde ich in den Bauernhof einziehen“.*= Die Namen wurden zum Schutz der Kinder geändert