Tischlerei wird 25 Jahre - Mit Ideen und Tatkraft in die Zukunft

Hermannsburg / Uslar: Als im Jahr1990 die Tischlerei der Familie Kruse aus Altersgründen ihren Betrieb einstellte, entschied man sich im Albert-Schweitzer-Familienwerk dazu, die Werksräume zu pachten und dort einen Ausbildungsbereich mit vier Lehrlingen zu initiieren.

Bildunterschrift: Typisch Albert-Schweitzer-Familienwerk: In eine familiären Atmosphäre gratulierte Bürgermeister Axel Flader und unterstrich die Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Verein. Links: Geschäftsführer Martin Kupper.

Ein Konzept im Wandel

Seither fanden 110 junge Menschen im Rahmen einer Ausbildung oder Berufsvorbereitung ihren Platz in der Tischlerei. Doch auch 25 Jahre Institutionsgeschichte gingen nicht ohne Höhen und Tiefen vorbei. Veränderungen am Arbeitsmarkt und der gesunkene Bedarf an Tischlern zwangen das Team zum Handeln, um für zeitgleich bis zu 20 Auszubildende mit Internatsanschluss und eigenem Berufsschulunterricht neue Wege in eine sicherere und stabilere Zukunft zu finden. Jungen Menschen mit besonderem Förderbedarf die Chance auf Integration in die Berufswelt zu ermöglichen sollte weiterhin das grundlegende Konzept sein. Zurzeit werden vier Auszubildende durch den Werkstattleiter Wilfried Ripke und den Ausbilder des Holzbereiches, Armin Guse, betreut.

Beide prägen die Ausbildungsstätte bis heute nicht nur mit ihrer fachlichen Kompetenz, sondern vor allem durch ihre Empathie im Umgang mit den Teilnehmern.

Ein- und Ausblicke zum Jubiläum

Nach 25 erfolgreichen Jahren Ausbildung in der Tischlerei Hermannsburg gilt der Dank auch den Einrichtungsleitungen sowie der Geschäftsführung und dem Vorstand des Albert-Schweitzer-Familienwerkes. Diese haben auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen an der Tischlerei festgehalten, blieben offen für neue Ideen und Projekte und ermöglichten durch diesen Rückhalt die Kontinuität.

So konnte die offizielle Jubiläumsfeier mit einem kleinen Rahmenprogramm und einem Resümee über Erfolge, Entwicklung, aber auch über den Umbruch stattfinden. Der Geschäftsführer - Martin Kupper – begrüßte unter anderen den Hermannsburger Bürgermeister Axel Flader, Brigitte Behn und Dorothea Müller als Mitglieder des Kuratoriums, Ernst-Heinrich Ahrens von der Celler Kreishandwerkerschaft, die Einrichtungsleiterin Susanne von Zimmermann und ihren Vorgänger Bernd Eschment, die „Grande Dame“ der Tischlerei: Magdalena Kruse und die Mitorganisatorin Silvia Luft sowie die „bekennenden Sozialpraktiker“ Wilfried Ripke und Armin Guse.

2015 07 23guseundripkeNeben der Freude über 25 Jahre Tischlerei Hermannsburg erinnerte Martin Kupper aber auch daran, dass man sich auf 25 Jahren erfolgreicher Arbeit nicht ausruhen dürfe. Zugleich wies er auf einen weiteren Ausbildungsbereich des Familienwerkes - und damit geknüpfte Probleme – hin: „Die Berufsgruppe der Heilerziehungspflege wird in drei Jahren hoch ausgebildet und dafür nicht entlohnt. Ganz im Gegenteil: Für ihre Ausbildung zahlen die Schüler auch noch Schulgeld. „Es ist bemerkenswert, dass wir trotz großer Hürden, so qualifizierte Mitarbeiter in unseren Einrichtungen finden“, sagt Kupper. „Sie alle machen einen sehr guten Job, obgleich sie schlechter dafür bezahlt werden als in einem produzierenden Betrieb. Wie lange will und kann sich die Gesellschaft das noch leisten?“ – Eine Frage, die zum Nachdenken anregte.

Verwurzelt mit der Region

Die Tischlerei etablierte sich in der Region in den Augen des Bürgermeisters Axel Flader fest. Er zeigte sich in seiner anschließenden Rede von der Ausbildungstischlerei begeistert und lobt die gute Zusammenarbeit. Die Stätte ist ein Teil der Region Hermannsburg und ein Zentrum in der Gemeinde Südheide. Er hob hervor, dass hier Menschen mit Handicap ihre Chance bekommen ins Leben zu starten. Nach „außen“ hin erlebt man die zahlreichen Schüler der Ausbildungsstätte stets als sehr zuvorkommend, offen und freundlich.“ Axel Flader selbst ist ein regelmäßiger Kunde der Tischlerei und hat sie oft vor Augen: „Wenn ich Besuch empfange, dann hänge ich dessen Jacken an die durch die Tischlerei gefertigte Garderobe“ verrät das Stadtoberhaupt mit einem gebührenden Lächeln.

Bleibendes Engagement

2015 07 23eschmentBernd Eschment fand als Gründer und ehemaliger Einrichtungsleiter neben vielen Erinnerungen zur manchmal „holprigen“ Geschichte der Tischlerei auch Worte über Magdalena Kruse – die ehemalige Inhaberin und heutige Verpächterin der Werkstatträume. „Sie ist die >>gute Seele<< des Tischlereiteams und sorgt für Harmonie. Wie bei einer großen Familie ist es stets Magdalena Kruse, die unsere Truppe immer wieder gern und auch liebevoll zusammenhält“ untermalt Bernd Eschment seine Rede.

Hier der vollständige Text

2015 07 23kruseEinen weiteren persönlichen Hauch bekam die Feierlichkeit bei der Übergabe der Geschenke. Alle Redner durften sich über ein Glas Honig von einem Tischlereinachbarn freuen; und die Übergabe des Kuchens mit „Aktionsfoto“ von Werkstattleiter Wilfried Ripke und Ausbilder Armin Guse war ein berührender Augenblick. Auch die „Grande Dame“ Magdalena Kruse ging nicht leer aus: Wilfried Ripke überreichte ihr einen Strauss Blumen und das gesamte Tischlereiteam schenkte ihr den gewünschten >>Mülleimerdeckel<<, der zuvor noch schnell still und heimlich gezimmert wurde.