Ein Fest für Kinder im Kinderdorf Alt Garge

Da war nichts zu viel versprochen. Tatsächlich konnte man im Wasserlaufball übers Wasser laufen. Jede Spiel-Station hatte ihren typischen Spaßfaktor. Große Herausforderungen boten die transportable Kletterwand, das Bullriding / Bullenreiten oder die Wasserlaufbälle. Aber das war längst nicht alles. Vergnügen bereiteten ebenso die Tombola, das Schminken oder das Stöbern auf dem Flohmarkt.

Ab 17.30 Uhr stand der Karaoke-Contest auf dem Programm. Bei schönstem Sommerwetter genossen die Kinderdorf-Eltern mit ihren Kindern und Gästen eine super organisierte Party. Die Familien König, Gebara, Heiland und Sarnow, alles Kinderdorf-Eltern, stellten das Fest für Kinder auf die Beine. Unterstützt wurden sie von Petra Köster, der dienstältesten Kinderdorfmutter. Sie ist seit 44 (!) Jahren mit ganzem Herzen diesem anspruchsvollen Beruf verbunden.

Erziehungsleiter Michael Göttsche betonte den familienorientierten Erziehungsansatz der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer. „Die Kinder wurzeln ein. Durch eine gute Bindung stabilisieren sie sich für das ganze Leben. Meistens wachsen bei den Kinderdorfeltern die eigenen Kinder mit den „Handkindern“ auf.“ Was für ein Wort! Die Kinder erfahren nach schweren Erlebnissen wieder Normalität und müssen neue Verhaltensweisen lernen. Die Familie Gebara lebt mit zwei eigenen und vier Pflegekindern im Kinderdorf. Johanna Gebara (35)ist auch heute gut gelaunt, obwohl sie Gehhilfen benutzen muss: „Ich bin beim Wischen ausgerutscht. Ein Knie macht Probleme.“ Sie zählt zu den wesentlichen Organisatoren der Party und ist eine gefragte Person. Wie sieht es in ihrer Familie aus?

„Unsere Familie ist das größte Team im Kinderdorf. Unsere sechs Kinder sind im Alter von zwei bis 11 Jahren. Damit sie gut aufwachsen können, brauchen wir Unterstützung und Hilfen im hauswirtschaftlichen und im erzieherischen Bereich. Allein die Hauswirtschaft ist eine Herausforderung. Zwei Waschmaschinen laufen täglich. Drei sehr beeinträchtigte Geschwisterkinder finden bei uns einen neuen Familienanfang. Sie benötigen viel Aufmerksamkeit und Zuwendung.“ Dankbar erwähnte sie die Eltern der Kinderdorf-Eltern. „Ohne ihren Einsatz würde vieles nicht funktionieren.“

Kinderdorfleiter Dietrich Bangen ergänzte: „Es ist schon ein besonderer Fall, wenn das Jugendamt auf die Weise tätig wird und drei Kinder aus einer Familie herausnehmen muss. Hier im Kinderdorf können die Pflegekinder neue Bindungen wagen und ihre innere Zerrissenheit überwinden. Das Familienmodell hat einen großen Vorteil gegenüber dem Heimkindermodell. Die Kinder werden morgens von dem gleichen Gesicht geweckt, das sie abends ins Bett gebracht hat. Sie fassen wieder Vertrauen.“

Aus dem Festzelt winkte Martin Gödecke, Bleckede, Dietrich Bangen zu. In der Hand hält der Kreistagsabgeordnete einen Scheck über € 150.00. Der Betrag ist für das Kinderdorf gedacht.

„Das ist Sitzungsgeld aus dem Kreistag. Hier ist es gut aufgehoben“, befand Martin Gödecke angesichts des lebhaften Treibens auf dem Gelände. Wie die zahlreichen Gäste genoss er die angebotenen kulinarischen Leckereien. Hinter dem Kaffee-und Kuchen-Tresen stand Hilde Hein aus Bleckede. Seit vier Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich im Kinderdorf und macht selbstverständlich weiter.

Das Ehepaar Schulz-Krüger reiste aus Klein-Pampau bei Lauenburg an. Sie haben der großen Familie Gebara ein Service geschenkt.

„Richtig schönes Geschirr mit Goldrand und vollständig“, strahlte Johanna Gebara. Ihr ist es wichtig, allen Unterstützern zu danken, die zum Gelingen dieses schönen Festes beigetragen haben. „Wir haben für unsere Tombola 550 Preise zur Verfügung. Ganz viele Läden und Firmen haben uns bedacht. Wir sagen allein einen herzlichen Dank."
Nach Dietrich Bangens Worten sind Kinderdorfeltern jederzeit gefragt.
Die persönliche zugeschnittene Unterstützung in Form familienorientierter Erziehung für leidende Kinder hat sich bewährt, heißt es in den Grundsätzen der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer.
Kinderdorfeltern zu sein ist eine sinnvolle Aufgabe. Familie und Beruf können auf ideale Weise miteinander verbunden werden.
 
 
Quelle (Text): Bleckeder Zeitung, Käthe Frank